Bio-Siegel erklärt: EU-Bio-Logo, deutsches Siegel und Kontrollnummer

Grünes Blatt aus Sternen, grün-schwarzes Sechseck, dazu ein Code wie DE-ÖKO-006: Bio-Kennzeichnungen begegnen dir überall. Doch was steckt hinter den Logos, wer kontrolliert sie und was sagt die kleine Nummer darunter? Wir erklären die Regeln verständlich und zeigen, was Bio bei Nahrungsergänzungsmitteln bedeutet und was nicht.

Autor
nedura Redaktion
Lesezeit
9 Min
Aktualisiert
Oktober 2026
Direkte Antwort

Was bedeutet das Bio-Siegel und woran erkenne ich echtes Bio?

Echte Bio-Lebensmittel erkennst du am EU-Bio-Logo mit der darunter stehenden Codenummer der Kontrollstelle, in Deutschland nach dem Muster DE-ÖKO-0XX, und der Herkunftsangabe wie „EU-Landwirtschaft“. Das Logo ist seit 2010 Pflicht für verpackte Bio-Lebensmittel aus der EU. Es zeigt, dass mindestens 95 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten aus ökologischem Anbau stammen, ohne Gentechnik und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Das sechseckige deutsche Bio-Siegel ist freiwillig und folgt denselben Regeln. „Bio“ und „Öko“ sind gesetzlich geschützt, Begriffe wie „naturnah“ dagegen nicht. Über die Codenummer lässt sich jedes Bio-Produkt bis zur kontrollierten Stelle zurückverfolgen.

Was bedeutet das Bio-Siegel und woran erkenne ich echtes Bio?
Die wichtigsten Erkenntnisse

3 Takeaways auf einen Blick

01

Bio ist geschützt

Die Begriffe „Bio“ und „Öko“ dürfen nur Produkte tragen, die nach der EU-Öko-Verordnung erzeugt und kontrolliert werden.

02

Der Code verrät viel

Unter dem EU-Bio-Logo stehen Kontrollstelle und Herkunft der Rohstoffe. Fehlt der Code, ist das ein Warnsignal.

03

Bio heißt nicht Heilmittel

Bio beschreibt Anbau und Verarbeitung, nicht den Nährstoffgehalt oder eine gesundheitliche Wirkung.

Inhaltsverzeichnis
01 — GRUNDLAGEN

Was „Bio“ rechtlich bedeutet

In der EU ist genau geregelt, wann ein Lebensmittel „Bio“ oder „Öko“ heißen darf. Seit dem 1. Januar 2022 gilt dafür die EU-Öko-Verordnung (EU) 2018/848. Sie ersetzt die frühere Verordnung von 2007 und gilt in allen Mitgliedstaaten gleich. Die Begriffe „Bio“ und „Öko“ sind dadurch geschützt, auch in Wortkombinationen wie „Biogarten“ auf einem Etikett.

Die wichtigsten Regeln für Bio-Lebensmittel

  • Mindestens 95 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten stammen aus ökologischer Erzeugung.
  • Keine Gentechnik, weder im Produkt noch im Futter.
  • Keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und keine leicht löslichen Mineraldünger.
  • Weniger Zusatzstoffe: Nur ein kleiner Teil der allgemein erlaubten Zusatzstoffe ist zugelassen. Die Verbraucherzentrale spricht von rund 50 statt über 300.
  • Keine Bestrahlung zur Haltbarmachung.
  • Artgerechtere Tierhaltung mit mehr Platz, Auslauf und Bio-Futter.

Nicht geschützt sind dagegen Wörter wie „natürlich“, „naturnah“, „aus kontrolliertem Anbau“ oder „umweltschonend“. Sie klingen ähnlich, sagen rechtlich aber nichts über ökologischen Anbau aus.

Bio-Anteil
mind. 95 %
der Agrarzutaten
EU-Öko-VO
2018/848
gilt seit 2022
Was „Bio“ rechtlich bedeutet
Das EU-Bio-Logo und seine Pflichtangaben
02 — EU-BIO-LOGO

Das EU-Bio-Logo und seine Pflichtangaben

Das EU-Bio-Logo zeigt ein Blatt aus weißen Sternen auf grünem Grund. Seit Juli 2010 ist es Pflicht auf allen vorverpackten Bio-Lebensmitteln, die in der EU hergestellt werden. Bei unverpackter Ware und Importen ist es freiwillig.

Wichtiger als das Logo selbst sind die beiden Angaben, die direkt darunter oder daneben stehen müssen:

  • Die Codenummer der Kontrollstelle, zum Beispiel DE-ÖKO-006. Sie zeigt, welche zugelassene Stelle den letzten Verarbeiter oder Abpacker kontrolliert.
  • Die Herkunft der landwirtschaftlichen Rohstoffe: „EU-Landwirtschaft“, „Nicht-EU-Landwirtschaft“ oder „EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft“. Stammen die Rohstoffe aus einem einzigen Land, kann auch dieses genannt werden, etwa „Deutschland-Landwirtschaft“.

Ein Beispiel: Ein Bio-Schwarzkümmelöl aus ägyptischer Saat, das in Deutschland gepresst und abgefüllt wird, trägt „Nicht-EU-Landwirtschaft“ und den Code der deutschen Kontrollstelle des Herstellers. Die Herkunftsangabe verrät also, wo die Pflanze gewachsen ist, der Code, wer die Verarbeitung kontrolliert.

Das Logo kann jeder nachdrucken. Die Codenummer darunter macht es überprüfbar.
ÜBERSICHT

So liest du die Angaben unter dem EU-Bio-Logo

Am Beispiel „DE-ÖKO-006, Nicht-EU-Landwirtschaft“ siehst du, welcher Teil was bedeutet. Die Angaben stehen direkt unter dem Blatt-Logo.

LÄNDERKÜRZEL
DE
Land, in dem die Kontrollstelle zugelassen ist. AT steht für Österreich.
BIO-BEZUG
ÖKO
Zeigt den Bezug zur ökologischen Produktion. In Österreich steht dort BIO.
KONTROLLSTELLE
006
Dreistellige Nummer der zuständigen, zugelassenen Kontrollstelle.
HERKUNFT
EU / Nicht-EU
Wo die landwirtschaftlichen Rohstoffe gewachsen sind.
03 — DEUTSCHES BIO-SIEGEL

Das Sechseck und die Verbandssiegel

Das staatliche deutsche Bio-Siegel gibt es seit 2001. Das grün-schwarze Sechseck mit dem Schriftzug „Bio nach EG-Öko-Verordnung“ ist vielen Menschen in Deutschland vertrauter als das EU-Logo. Rechtlich gilt dafür derselbe Standard: Ein Produkt mit Sechseck erfüllt die EU-Öko-Verordnung, nicht mehr und nicht weniger.

Das deutsche Siegel ist freiwillig und wird zusätzlich zum EU-Logo verwendet. Unternehmen müssen die Nutzung vorher bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) anzeigen.

Verbandssiegel: Bio mit Zusatzregeln

Daneben gibt es die Zeichen der Anbauverbände, etwa Demeter, Bioland, Naturland oder Biokreis. Ihre Mitglieder verpflichten sich zu Regeln, die über das EU-Recht hinausgehen. Typische Unterschiede:

  • Der gesamte Betrieb muss ökologisch wirtschaften, nicht nur ein Teil.
  • Noch weniger Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe sind erlaubt.
  • Strengere Vorgaben bei Düngung und Tierhaltung, etwa weniger Tiere pro Fläche.

Verbandsware trägt immer auch das EU-Bio-Logo, denn die gesetzliche Grundlage bleibt dieselbe.

Deutsches Siegel
seit 2001
freiwillig, staatlich
EU-Bio-Logo
seit 2010
Pflicht bei Fertigpackungen
Das Sechseck und die Verbandssiegel
Wer Bio kontrolliert und wie oft
04 — KONTROLLE

Wer Bio kontrolliert und wie oft

Das Bio-Kontrollsystem erfasst die gesamte Kette: Landwirt, Verarbeiter, Abfüller, Importeur und Händler, der Bio-Ware selbst verpackt. Jeder dieser Betriebe muss sich einer Kontrolle unterstellen, bevor er Bio verkaufen darf.

In Deutschland übernehmen das private Kontrollstellen, die von den zuständigen Landesbehörden zugelassen und überwacht werden. Jede hat ihren eigenen Code, daher die Nummer DE-ÖKO-0XX. So funktioniert die Kontrolle:

  • Regelmäßige Inspektion in der Regel einmal im Jahr vor Ort, mit Prüfung von Flächen, Lager, Rezepturen und Warenflüssen.
  • Zusätzliche Stichproben, auch unangekündigt und je nach Risiko häufiger.
  • Rückverfolgbarkeit: Einkauf und Verkauf müssen mengenmäßig zusammenpassen. Wer mehr Bio verkauft, als er einkauft, fällt auf.
  • Laboranalysen, etwa auf Pflanzenschutzmittel-Rückstände, bei Verdacht oder als Stichprobe.

Wer die Kontrolle besteht, erhält ein Bio-Zertifikat. Viele Zertifikate sind inzwischen in der EU-Datenbank TRACES öffentlich einsehbar. Seriöse Anbieter zeigen dir ihr Zertifikat auch auf Nachfrage.

Bio aus Drittländern

Viele Bio-Rohstoffe wachsen außerhalb der EU, etwa Schwarzkümmel, Tee oder Gewürze. Auch dort müssen Erzeuger und Exporteure von einer anerkannten Kontrollstelle überprüft werden. Jede Bio-Lieferung in die EU braucht zudem eine elektronische Kontrollbescheinigung, die bei der Einfuhr von den Behörden geprüft wird. Erst dann darf die Ware hier als Bio weiterverarbeitet werden. Die EU kann Kontrollstellen in Drittländern die Anerkennung entziehen, wenn Mängel auftreten.

05 — BIO & NAHRUNGSERGÄNZUNG

Was Bio bei Nahrungsergänzungsmitteln bedeutet

Auch Nahrungsergänzungsmittel können bio-zertifiziert sein. Es gibt aber eine wichtige Grenze: Isolierte Vitamine und Mineralstoffe dürfen Bio-Lebensmitteln nur zugesetzt werden, wenn das gesetzlich vorgeschrieben ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat 2025 bestätigt, dass ein Getränk mit zugesetzten Vitaminen deshalb nicht als Bio gekennzeichnet werden darf.

Darum sind Bio-Nahrungsergänzungsmittel meist pflanzliche Produkte: kaltgepresste Öle, gemahlene Pflanzenteile, Pflanzenpulver oder Tees. Beispiele sind Schwarzkümmelöl, Gerstengraspulver, Matcha oder Ashwagandha-Wurzelpulver.

Was Bio aussagt und was nicht

  • Bio sagt etwas über Anbau, Verarbeitung und Kontrolle.
  • Bio sagt nichts über den Gehalt an Nährstoffen oder Wirkstoffen.
  • Bio ersetzt keine eigenen Qualitätsanalysen, etwa auf Schwermetalle.

Bei nedura stellen wir unsere Produkte selbst in Deutschland her, an unserem Standort in Stendal. Einen großen Teil unseres Sortiments bieten wir in Bio-Qualität an, vom Schwarzkümmelöl bis zum Matcha. Unsere Nachweise findest du auf der Zertifikate-Seite.

Bio beschreibt, wie etwas gewachsen ist und verarbeitet wurde. Was es im Körper bewirkt, ist eine ganz andere Frage.

→ Zu unserem BIO Schwarzkümmelöl

Was Bio bei Nahrungsergänzungsmitteln bedeutet
06 — FAKTENCHECK

Bio-Mythen im Faktencheck

„Bio ist immer regional.“ Bio regelt die Erzeugung, nicht die Entfernung. Bio-Ware kann aus Übersee stammen. Die Herkunftsangabe unter dem Logo verrät, wo die Rohstoffe gewachsen sind.

„Bio bedeutet völlig rückstandsfrei.“ Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind verboten, und Bio-Ware ist meist deutlich geringer belastet. Abdrift vom Nachbarfeld oder Umweltkontaminanten lassen sich aber nie ganz ausschließen.

„Das deutsche Sechseck ist strenger als das EU-Logo.“ Beide stehen für exakt denselben gesetzlichen Standard. Strengere Regeln gibt es nur bei Verbänden wie Demeter, Bioland oder Naturland.

„‚Aus kontrolliertem Anbau‘ heißt dasselbe wie Bio.“ Nein. Diese Formulierung ist nicht geschützt. Nur „Bio“ oder „Öko“ mit Logo und Kontrollstellen-Code sind verlässlich.

07 — Häufige Fragen

FAQ — Bio-Siegel

Was bedeutet die Nummer DE-ÖKO-006 unter dem Bio-Siegel?

Das ist die Codenummer der Kontrollstelle. DE steht für Deutschland, ÖKO für den Bezug zum ökologischen Landbau und 006 für eine bestimmte, staatlich zugelassene Kontrollstelle, die den Hersteller oder Abpacker überprüft.

Was ist der Unterschied zwischen EU-Bio-Logo und deutschem Bio-Siegel?

Inhaltlich keiner. Beide stehen für die Regeln der EU-Öko-Verordnung. Das EU-Logo ist bei verpackter Bio-Ware aus der EU Pflicht, das deutsche Sechseck freiwillig.

Wie viel Prozent Bio muss in einem Bio-Produkt stecken?

Mindestens 95 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten müssen aus ökologischem Anbau stammen. Wasser und Salz zählen dabei nicht mit, weil sie keine landwirtschaftlichen Zutaten sind.

Sind Demeter und Bioland strenger als das EU-Bio-Siegel?

Ja, die Anbauverbände haben eigene, zusätzliche Richtlinien, zum Beispiel zur Umstellung des ganzen Betriebs, zu Zusatzstoffen und zur Tierhaltung. Die EU-Regeln gelten für sie trotzdem als Grundlage.

Wie oft werden Bio-Betriebe kontrolliert?

In der Regel mindestens einmal im Jahr vor Ort, dazu kommen risikobasierte und unangekündigte Stichproben. Kontrolliert wird die ganze Kette vom Feld bis zum Abpacker.

Woran erkenne ich gefälschte Bio-Ware?

Fehlt der Kontrollstellen-Code oder die Herkunftsangabe, ist Vorsicht angebracht. Steht nur „natürlich“ oder „aus kontrolliertem Anbau“ ohne Logo auf der Packung, handelt es sich nicht um zertifizierte Bio-Ware.

Gibt es Bio-Vitamintabletten?

Isolierte Vitamine und Mineralstoffe dürfen Bio-Produkten nur zugesetzt werden, wenn es gesetzlich vorgeschrieben ist. Bio-Nahrungsergänzungsmittel sind deshalb meist Pflanzenpulver, Öle oder Extrakte aus Bio-Rohstoffen.

Ist Bio gesünder?

Bio-Lebensmittel enthalten im Durchschnitt weniger Pflanzenschutzmittel-Rückstände. Ob sie dadurch gesünder sind, lässt sich wissenschaftlich nicht eindeutig sagen. Für Umwelt, Böden und Tiere bringt der Öko-Landbau nachweislich Vorteile.

Quellen & weiterführende Lektüre4 Referenzen

  1. Verordnung (EU) 2018/848 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen.EU
  2. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Das Bio-Siegel – Informationen für Verbraucher und Unternehmen (oekolandbau.de).BLE
  3. Verbraucherzentrale: Bio-Lebensmittel – Siegel, Kontrolle und Kennzeichnung.Verbraucherzentrale
  4. Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 04.09.2025, Az. 3 C 13.24 (Bio-Kennzeichnung bei zugesetzten Vitaminen).BVerwG