Blutbild verstehen: die wichtigsten Werte ab 50
Hb, Leukos, LDL, eGFR, TSH – nach dem Check-up hältst du oft einen Zettel voller Abkürzungen in der Hand. Wir übersetzen dir die wichtigsten Blutwerte ab 50: was sie messen, welche Bereiche als Orientierung gelten, wie du Einheiten umrechnest und welche Werte die Kasse bezahlt. So kannst du das nächste Gespräch in der Praxis besser vorbereiten.
Welche Blutwerte sind ab 50 wichtig?
Ab 50 lohnt ein Blick auf fünf Bereiche: das kleine Blutbild (Hämoglobin, rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen), die Blutfette (LDL, HDL, Triglyceride), den Blutzucker (Nüchternglukose, HbA1c), die Nierenwerte (Kreatinin, eGFR) sowie Leberwerte und TSH für die Schilddrüse. Blutfette und Nüchternzucker gehören zum Check-up, den die gesetzliche Krankenkasse ab 35 alle drei Jahre bezahlt. Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor, Alter und Geschlecht – ein einzelner Wert außerhalb der Norm ist für sich genommen noch keine Diagnose. Lass deine Werte immer ärztlich einordnen.

3 Takeaways auf einen Blick
Check-up ab 35
Die Kasse zahlt alle drei Jahre Blutfette, Nüchternzucker und einen Urintest. Ein Blutbild gehört nicht automatisch dazu.
Referenz ist nicht Ziel
Normbereiche beschreiben, wo 95 Prozent der Gesunden liegen. Für LDL gelten je nach Risiko ganz eigene Zielwerte.
Einheit zuerst prüfen
mg/dl oder mmol/l, g/dl oder mmol/l: Wer die Einheit verwechselt, liest schnell falsche Alarmsignale heraus.
Inhaltsverzeichnis
Was die Krankenkasse übernimmt
Gesetzlich Versicherte haben ab 35 alle drei Jahre Anspruch auf den Gesundheits-Check-up. Er umfasst ein Gespräch über Vorerkrankungen und Lebensstil, eine körperliche Untersuchung, die Blutdruckmessung und diese Laborwerte:
- Lipidprofil: Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyceride
- Nüchtern-Blutzucker
- Urin-Teststreifen (Eiweiß, Zucker, rote und weiße Blutkörperchen, Nitrit)
- einmalig ein Screening auf Hepatitis B und C
Das kleine Blutbild, Nieren-, Leber- oder Schilddrüsenwerte sind nicht automatisch dabei. Viele Hausarztpraxen bestimmen sie trotzdem mit, wenn es einen Anlass gibt – etwa Müdigkeit, Medikamente, Vorerkrankungen oder Auffälligkeiten in der Untersuchung.
Ab 50 kommen weitere Vorsorgeangebote hinzu, etwa die Darmkrebsvorsorge. Für Laborwerte gilt: Sprich ruhig an, was dir wichtig ist, und frag, welche Werte medizinisch sinnvoll sind und welche du gegebenenfalls selbst zahlst.


Das kleine Blutbild: Hb, Leukos und Co.
Das kleine Blutbild zählt die Blutzellen und beschreibt die roten Blutkörperchen genauer. Die Orientierungswerte gelten für Frauen; Männer haben bei Hb und Erythrozyten etwas höhere Bereiche.
- Hämoglobin (Hb) – der rote Blutfarbstoff, der Sauerstoff transportiert. Frauen etwa 12 bis 16 g/dl. Niedrige Werte sprechen für eine Blutarmut (Anämie).
- Erythrozyten – rote Blutkörperchen, Frauen etwa 4,0 bis 5,2 Millionen pro µl.
- MCV – die Größe der roten Blutkörperchen, etwa 80 bis 96 fl. Kleine Zellen deuten eher auf Eisenmangel, große eher auf Vitamin-B12- oder Folatmangel.
- Leukozyten – weiße Blutkörperchen, etwa 4.000 bis 10.000 pro µl. Erhöht etwa bei Infekten, erniedrigt z. B. durch manche Medikamente.
- Thrombozyten – Blutplättchen für die Gerinnung, etwa 150.000 bis 400.000 pro µl.
Einheiten umrechnen
Hb wird meist in g/dl angegeben, manchmal in mmol/l: g/dl × 0,62 = mmol/l. 12 g/dl entsprechen also etwa 7,4 mmol/l. Zellzahlen stehen oft als „/nl“ – 4 bis 10/nl ist dasselbe wie 4.000 bis 10.000/µl.
Fällt das kleine Blutbild auf, folgt häufig ein großes Blutbild, bei dem die weißen Blutkörperchen genauer aufgeschlüsselt werden, oder eine Bestimmung von Ferritin, B12 und Folat.
Kleines Blutbild: Orientierungswerte für Frauen
Typische Referenzbereiche für erwachsene Frauen. Die Grenzen auf deinem Befund haben Vorrang.
Cholesterin, Triglyceride und Blutzucker
Blutfette
- LDL-Cholesterin – der wichtigste Wert für das Herz-Kreislauf-Risiko. Einen festen Normalwert gibt es nicht: Bei niedrigem Gesamtrisiko gilt laut europäischer Leitlinie unter 116 mg/dl als Ziel, bei hohem Risiko deutlich weniger.
- HDL-Cholesterin – Frauen meist über 45 bis 50 mg/dl.
- Triglyceride – nüchtern unter 150 mg/dl.
- Gesamtcholesterin – oft unter 200 mg/dl als Orientierung, allein aber wenig aussagekräftig.
Nach den Wechseljahren steigen LDL und Gesamtcholesterin bei vielen Frauen spürbar an – das ist häufig, sollte aber im Blick bleiben.
Neu im Gespräch ist Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Der Wert ist größtenteils genetisch festgelegt und ändert sich im Leben kaum. Die europäische Kardiologie-Gesellschaft empfiehlt, ihn einmal bestimmen zu lassen – besonders, wenn in der Familie früh Herzinfarkte oder Schlaganfälle vorkamen.
Blutzucker
- Nüchternglukose unter 100 mg/dl gilt als normal, 100 bis 125 mg/dl als erhöht.
- HbA1c – der Langzeitwert der letzten acht bis zwölf Wochen, unter 5,7 Prozent als normal.
Umrechnen
- Cholesterin: mg/dl × 0,0259 = mmol/l
- Triglyceride: mg/dl × 0,0114 = mmol/l
- Glukose: mg/dl ÷ 18 = mmol/l


Die stillen Organe im Labor
Nieren: Kreatinin und eGFR
Kreatinin ist ein Abbauprodukt aus den Muskeln, das über die Nieren ausgeschieden wird. Bei Frauen liegt es meist zwischen etwa 0,5 und 0,9 mg/dl. Daraus berechnet das Labor die eGFR, die geschätzte Filterleistung. Über 90 ml/min gilt als normal, 60 bis 89 als leicht vermindert – im Alter häufig. Werte unter 60 sollten ärztlich weiter abgeklärt werden. Umrechnung: Kreatinin mg/dl × 88,4 = µmol/l.
Leber: GPT, GOT, Gamma-GT
Die Leberenzyme GPT (ALT) und GOT (AST) liegen bei Frauen meist unter 35 U/l, die Gamma-GT unter etwa 40 U/l. Leicht erhöhte Werte sind häufig, etwa durch Fettleber, Alkohol oder Medikamente, und lassen sich oft durch Lebensstil beeinflussen.
Schilddrüse: TSH
TSH ist das Steuerhormon der Schilddrüse. Ein üblicher Bereich ist etwa 0,4 bis 4,0 mU/l. Ein hoher Wert deutet auf eine Unterfunktion, ein niedriger auf eine Überfunktion. Im höheren Alter sind leicht höhere Werte oft unbedenklich. Ist TSH auffällig, folgen meist fT3 und fT4.
So holst du mehr aus deinem Check-up
Vor der Blutabnahme
- Für Blutzucker und Triglyceride 8 bis 12 Stunden nüchtern bleiben. Wasser und ungesüßter Tee sind erlaubt.
- Am Vortag auf Alkohol und sehr intensiven Sport verzichten – beides kann Leber- und Muskelwerte verändern.
- Medikamente nur nach Absprache auslassen. Biotin-Präparate kurz vorher erwähnen, weil sie manche Messungen (z. B. TSH) stören können.
Nach dem Termin
Lass dir eine Kopie deiner Befunde geben und heb sie in einem Ordner auf. So erkennst du Trends über die Jahre – oft wichtiger als ein einzelner Wert. Notiere vorab deine Fragen.
Werte, die nicht zum Standard gehören
- Ferritin – der Eisenspeicher, sinnvoll bei Müdigkeit oder blassem Blutbild.
- Vitamin B12 – ab 60 und bei Metformin oder Säureblockern.
- Vitamin D – bei Osteoporose-Risiko oder wenig Sonne.
- HbA1c – bei grenzwertigem Nüchternzucker.
Ob diese Werte für dich sinnvoll sind und von der Kasse übernommen werden, klärst du in der Praxis.

Mythen rund ums Blutbild
„Ein Wert außerhalb der Norm bedeutet, dass ich krank bin.“ Nein. Normbereiche schließen per Definition rund 5 Prozent der Gesunden aus. Entscheidend sind Ausmaß, Verlauf und Beschwerden.
„Ein gutes Blutbild heißt, alles ist in Ordnung.“ Das kleine Blutbild sagt nichts über Cholesterin, Zucker, Nieren oder Vitamine. Es ist nur ein Teil des Gesamtbilds.
„Hohes HDL schützt immer.“ HDL ist ein günstiger Marker, aber kein Freifahrtschein. Für das Herz-Kreislauf-Risiko zählt vor allem das LDL.
„Cholesterin muss man nüchtern messen.“ Für Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterin ist das nicht zwingend. Für Triglyceride und Blutzucker schon.
FAQ — Blutwerte ab 50
Welche Blutwerte werden beim Check-up 35 bestimmt?
Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyceride und der Nüchtern-Blutzucker, dazu ein Urin-Teststreifen und einmalig ein Test auf Hepatitis B und C.
Was ist ein normaler Hb-Wert für Frauen?
Als Orientierung gelten etwa 12 bis 16 g/dl (rund 7,4 bis 9,9 mmol/l). Leicht abweichende Grenzen sind je nach Labor möglich. Lass niedrige Werte ärztlich abklären.
Wie rechne ich Cholesterin von mg/dl in mmol/l um?
Multipliziere mit 0,0259. 200 mg/dl entsprechen etwa 5,2 mmol/l. Für Triglyceride nimmst du den Faktor 0,0114.
Muss ich für die Blutabnahme nüchtern sein?
Für Blutzucker und Triglyceride ja, meist 8 bis 12 Stunden. Wasser und ungesüßter Tee sind erlaubt. Frag im Zweifel in deiner Praxis nach.
Was bedeutet eine eGFR von 70?
Eine eGFR zwischen 60 und 89 ml/min gilt als leicht vermindert und ist im Alter häufig. Zusammen mit dem Urinbefund ordnet die Ärztin ein, ob weitere Kontrollen nötig sind.
Welcher TSH-Wert ist normal?
Häufig gilt ein Bereich von etwa 0,4 bis 4,0 mU/l. Im höheren Alter können leicht höhere Werte normal sein. Bei Auffälligkeiten werden fT3 und fT4 bestimmt.
Wie oft sollte ich ab 50 Blutwerte machen lassen?
Den Check-up zahlt die Kasse alle drei Jahre. Bei Vorerkrankungen, Medikamenten oder auffälligen Werten kontrolliert die Praxis häufiger.
Kann ich meine Laborwerte selbst interpretieren?
Als Orientierung ja – Verständnis hilft beim Arztgespräch. Die Bewertung im Zusammenhang mit Beschwerden, Medikamenten und Vorgeschichte gehört aber in ärztliche Hände.
Quellen & weiterführende Lektüre5 Referenzen
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie).G-BA
- Mach F et al. (2020): 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J 41(1):111–188.Leitlinie
- KDIGO (2024): Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int 105(4S):S117–S314.Leitlinie
- Thomas L (Hrsg.): Labor und Diagnose. Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik.Fachbuch
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Der Check-up – Gesundheitsuntersuchung für Erwachsene.IQWiG


