Haarausfall bei Frauen: Ursachen und welche Nährstoffe wichtig sind
Mehr Haare in der Bürste, ein breiterer Scheitel, der Zopf wird dünner – Haarausfall trifft viele Frauen, besonders rund um die Wechseljahre. Die Ursachen reichen von Hormonen über Stress bis zu Nährstofflücken. Wir zeigen dir, wie viel Haarverlust normal ist, welche Formen es gibt, welche Nährstoffe für deine Haare wirklich zählen und wann ein Arztbesuch sinnvoll ist.
Welcher Mangel verursacht Haarausfall bei Frauen?
Der häufigste Nährstoff-Zusammenhang bei Frauen ist ein Eisenmangel – oft erkennbar an einem niedrigen Ferritinwert. Auch zu wenig Eiweiß, Zink, Biotin oder Selen sowie eine Schilddrüsenunterfunktion können zu diffusem Haarausfall beitragen. Zink, Biotin und Selen tragen zur Erhaltung normaler Haare bei. Wichtig: Die häufigste Ursache für dünner werdendes Haar ab 50 ist nicht ein Mangel, sondern die erblich-hormonell bedingte androgenetische Alopezie, die sich durch Nährstoffe allein nicht aufhalten lässt. Lass deshalb Blutbild, Ferritin und Schilddrüsenwerte prüfen, bevor du ergänzt.

3 Takeaways auf einen Blick
Bis 100 Haare sind normal
Täglich fallen 50 bis 100 Haare aus. Erst deutlich mehr über Wochen ist ein Grund, genauer hinzuschauen.
Erst messen, dann ergänzen
Ferritin, Blutbild und Schilddrüse zeigen, ob ein Mangel dahintersteckt. Auf Verdacht ergänzen bringt wenig.
Geduld zahlt sich aus
Haare wachsen rund einen Zentimeter im Monat. Veränderungen werden oft erst nach drei bis sechs Monaten sichtbar.
Inhaltsverzeichnis
Wie viel Haarausfall ist normal?
Jedes Haar durchläuft einen Kreislauf. In der Wachstumsphase wächst es zwei bis sechs Jahre lang, etwa einen Zentimeter pro Monat. Danach folgt eine kurze Übergangsphase und schließlich die Ruhephase von rund drei Monaten. Am Ende fällt das Haar aus und ein neues wächst nach.
Weil immer ein Teil der Haare in der Ruhephase ist, verlierst du jeden Tag etwa 50 bis 100 Haare. An Waschtagen können es auch mehr sein. Das ist völlig normal.
Wann es auffällig wird
- Über Wochen deutlich mehr Haare in Bürste, Abfluss oder auf dem Kopfkissen
- Der Scheitel wirkt breiter, die Kopfhaut schimmert durch
- Der Zopf wird spürbar dünner
- Runde, kahle Stellen
Ein einfacher Test: Fahre mit den Fingern sanft durch trockenes Haar und zieh leicht. Bleiben regelmäßig mehr als fünf bis sechs Haare hängen, lohnt sich ein genauerer Blick.
Hilfreich ist auch ein Foto vom Scheitel im gleichen Licht, alle vier Wochen aufgenommen. So siehst du Veränderungen objektiver als im täglichen Blick in den Spiegel.


Die häufigsten Formen von Haarausfall bei Frauen
Erblich-hormonell (androgenetische Alopezie)
Die häufigste Form. Die Haarwurzeln reagieren empfindlich auf männliche Hormone, die Haare werden mit der Zeit feiner. Typisch ist ein breiter werdender Mittelscheitel, die Stirnhaarlinie bleibt meist erhalten. Nach den Wechseljahren tritt sie häufiger auf.
Diffuser Haarausfall (telogenes Effluvium)
Viele Haare wechseln gleichzeitig in die Ruhephase und fallen etwa zwei bis drei Monate später aus. Auslöser können sein:
- fiebrige Infekte, Operationen, starke Belastung
- Crash-Diäten und deutlicher Gewichtsverlust
- Eisenmangel und andere Nährstofflücken
- Schilddrüsenerkrankungen
- bestimmte Medikamente
Die gute Nachricht: Ist die Ursache behoben, wachsen die Haare in der Regel wieder nach.
Kreisrunder Haarausfall
Plötzlich auftretende, runde kahle Stellen. Dahinter steckt eine Autoimmunreaktion – das gehört in dermatologische Hände.
Warum das Haar in den Wechseljahren dünner wird
In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Östrogen verlängert die Wachstumsphase der Haare. Fällt es ab, gewinnen die männlichen Hormone relativ an Einfluss – auch wenn ihre Menge gleich bleibt. Bei Frauen mit entsprechender Veranlagung werden die Haare feiner und lichter, besonders am Oberkopf.
Gleichzeitig verändert sich oft mehr: Schlaf und Stimmung schwanken, manche essen weniger oder anders, der Eisenhaushalt kann durch starke Blutungen in der Perimenopause belastet sein. Auch die Schilddrüse verdient in dieser Lebensphase einen Blick.
Was du tun kannst
- Blutwerte prüfen lassen: Blutbild, Ferritin, Schilddrüse (TSH), bei Bedarf Zink und Vitamin D
- Genug Eiweiß essen – Haare bestehen zum größten Teil aus dem Protein Keratin
- Sanfte Pflege: wenig Hitze, keine straffen Zöpfe, breite Kämme
- Bei erblich bedingtem Haarausfall: mit der Hautärztin über zugelassene Behandlungen sprechen, etwa Minoxidil-Lösung
Nährstoffe allein stoppen einen erblich-hormonellen Haarausfall nicht. Sie sorgen aber dafür, dass die Haarwurzeln versorgt sind.

Diese Mengen empfiehlt die DGE
Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für Frauen. Mit abwechslungsreicher Kost lassen sie sich meist gut erreichen:

Diese Nährstoffe brauchen deine Haare
Haarwurzeln gehören zu den teilungsaktivsten Zellen im Körper. Fehlt es an Baustoffen, spart der Körper zuerst an Haaren. Diese Nährstoffe sind besonders wichtig:
- Eiweiß: Grundbaustein des Haares. Die DGE empfiehlt 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht, ab 65 Jahren 1,0 g.
- Eisen: Ein niedriger Ferritinwert wird häufig bei Frauen mit diffusem Haarausfall gefunden. Welcher Wert für das Haar ideal ist, ist nicht abschließend geklärt.
- Zink: Zink trägt zur Erhaltung normaler Haare bei.
- Biotin: Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haare bei. Ein echter Biotinmangel ist bei normaler Ernährung allerdings selten.
- Selen: Selen trägt zur Erhaltung normaler Haare bei.
- Kupfer: Kupfer trägt zu einer normalen Haarpigmentierung bei.
Auf dem Teller
Eier, Fisch, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Haferflocken, Kürbiskerne, Nüsse und grünes Blattgemüse liefern viele dieser Stoffe gleichzeitig. Zwei Paranüsse decken bereits einen großen Teil des Selenbedarfs.
Ein haarfreundlicher Beispieltag
Morgens Haferflocken mit Joghurt, Kürbiskernen und Beeren. Mittags Linsensalat mit Paprika und einem Ei. Abends Lachs mit Kartoffeln und Spinat. Als Snack eine Handvoll Nüsse. So kommen Eiweiß, Eisen, Zink, Biotin und Selen ganz nebenbei zusammen.
Nahrungsergänzung bei Haarausfall: was sinnvoll ist
Ist ein Mangel nachgewiesen, kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein. Studien zeigen, dass Nährstoffe vor allem dann etwas bewirken, wenn tatsächlich eine Lücke besteht. Ohne Mangel bringen hohe Dosen für die Haare keinen nachgewiesenen Zusatznutzen.
Darauf solltest du achten
- Zink: Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 6,5 mg pro Tag.
- Eisen: nur nach ärztlich festgestelltem Mangel ergänzen. Das BfR schlägt für Nahrungsergänzung höchstens 6 mg pro Tag vor.
- Biotin: Hohe Dosen können Laborwerte verfälschen, etwa Schilddrüsenwerte. Setz Biotin einige Tage vor einer Blutabnahme ab und informiere das Labor.
- Zu viel Vitamin A und Selen kann selbst Haarausfall auslösen. Mehr ist hier ausdrücklich nicht besser.
Wann du zur Ärztin solltest
Bei plötzlichem, starkem Haarausfall, kahlen Stellen, Juckreiz oder Rötung der Kopfhaut, oder wenn zusätzlich Müdigkeit, Gewichtsveränderungen oder Zyklusstörungen auftreten. Erste Anlaufstelle ist die Hausarzt- oder Hautarztpraxis. Nimm am besten mit, seit wann du den Haarausfall bemerkst, welche Medikamente und Präparate du nimmst und ob es in den Monaten davor besondere Belastungen gab.

Haar-Mythen im Faktencheck
„Biotin lässt die Haare kräftig nachwachsen.“ Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haare bei. Ohne Biotinmangel zeigen Studien aber keinen Zusatznutzen für das Haarwachstum.
„Häufiges Waschen macht Haarausfall.“ Beim Waschen fallen nur die Haare aus, die ohnehin in der Ruhephase sind. Es fallen dadurch nicht mehr Haare aus.
„Haarausfall bei Frauen ist immer ein Mangel.“ Die häufigste Ursache ist erblich-hormonell. Nährstofflücken sind wichtig, aber nur ein Teil des Bildes.
„Regelmäßiges Schneiden lässt die Haare dichter wachsen.“ Schneiden verändert die Haarwurzel nicht. Die Spitzen sehen danach aber gepflegter und voller aus.
FAQ — Haarausfall bei Frauen
Welcher Mangel verursacht Haarausfall bei Frauen?
Am häufigsten ein Eisenmangel. Auch zu wenig Eiweiß, Zink, Biotin oder Selen sowie eine Schilddrüsenunterfunktion können beteiligt sein.
Welche Blutwerte sollte ich bei Haarausfall prüfen lassen?
Sinnvoll sind Blutbild, Ferritin und TSH für die Schilddrüse. Je nach Situation kommen Zink, Vitamin D und Hormone dazu.
Wie lange dauert es, bis Haare wieder wachsen?
Nach einem diffusen Haarausfall wachsen die Haare meist innerhalb von drei bis sechs Monaten sichtbar nach, bis zur alten Fülle kann es länger dauern.
Kann Stress Haarausfall auslösen?
Ja, starke Belastungen können einen diffusen Haarausfall auslösen. Er zeigt sich typischerweise zwei bis drei Monate später.
Ist Haarausfall in den Wechseljahren normal?
Viele Frauen bemerken in dieser Zeit dünneres Haar, weil der Östrogenspiegel sinkt. Es lohnt sich trotzdem, Eisen und Schilddrüse prüfen zu lassen.
Hilft Rosmarinöl gegen Haarausfall?
Rosmarinöl wird für die Kopfhautpflege untersucht, die Studienlage ist aber klein. Als ätherisches Öl nur verdünnt äußerlich anwenden.
Wie viel Biotin am Tag für die Haare?
Die DGE schätzt den Bedarf auf 40 µg pro Tag. Höhere Mengen bringen ohne Mangel keinen nachgewiesenen Vorteil und können Laborwerte stören.
Welche Lebensmittel sind gut für die Haare?
Eier, Fisch, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Haferflocken, Nüsse, Kürbiskerne und grünes Blattgemüse.
Quellen & weiterführende Lektüre5 Referenzen
- Almohanna HM et al. (2019): The Role of Vitamins and Minerals in Hair Loss: A Review. Dermatol Ther (Heidelb) 9(1):51–70.Review
- Kanti V et al. (2018): Evidence-based (S3) guideline for the treatment of androgenetic alopecia in women and in men – short version. J Eur Acad Dermatol Venereol 32(1):11–22.Leitlinie
- U.S. Food and Drug Administration (2017, aktualisiert 2019): Biotin (Vitamin B7): Safety Communication – may interfere with lab tests.FDA
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Protein, Zink, Selen, Biotin.DGE
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2021): Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln.BfR


