Matcha: Wirkung, Koffein und L-Theanin im Überblick
Matcha ist mehr als ein Trend-Getränk aus dem Café. Weil du das ganze, fein gemahlene Teeblatt trinkst, bekommst du deutlich mehr Inhaltsstoffe als mit einem Aufguss. Wir erklären dir, wie viel Koffein in einer Schale steckt, was es mit L-Theanin auf sich hat und was die Forschung zu Grüntee wirklich zeigt. Dazu: der Unterschied zwischen Ceremonial und Culinary – und wie dir die perfekte Schale gelingt.
Wie wirkt Matcha und wie viel Koffein steckt darin?
Eine Schale Matcha aus 1 bis 2 Gramm Pulver liefert etwa 30 bis 70 mg Koffein – weniger als eine große Tasse Filterkaffee mit rund 90 mg. Dazu kommt die Aminosäure L-Theanin, die fast nur in der Teepflanze vorkommt. Viele empfinden Matcha deshalb als ruhiger und gleichmäßiger anregend als Kaffee. Studien zur Kombination von Koffein und L-Theanin nutzen allerdings meist höhere, genau dosierte Mengen. Für gesunde Erwachsene hält die EFSA bis zu 400 mg Koffein am Tag und 200 mg als Einzeldosis für unbedenklich. Zwei bis drei Schalen Matcha passen also gut in einen normalen Alltag.

3 Takeaways auf einen Blick
Das ganze Blatt im Glas
Bei Matcha trinkst du das gemahlene Teeblatt mit. Deshalb enthält eine Schale mehr Koffein, Catechine und L-Theanin als ein normaler Grüntee-Aufguss.
Moderat anregend
1 bis 2 Gramm Pulver liefern etwa 30 bis 70 mg Koffein. Die EFSA nennt 400 mg am Tag für gesunde Erwachsene als unbedenklich.
Qualität sieht man
Leuchtendes Jadegrün, feiner süßlicher Duft und Herkunft aus Japan sprechen für hochwertigen Matcha. Olivgrünes Pulver eignet sich eher zum Backen.
Inhaltsverzeichnis
Was Matcha so besonders macht
Matcha stammt von derselben Pflanze wie jeder grüne und schwarze Tee: Camellia sinensis. Den Unterschied macht die Verarbeitung. Etwa drei bis vier Wochen vor der Ernte werden die Teesträucher mit Netzen oder Matten beschattet. Die Pflanze bildet dann mehr Chlorophyll und mehr L-Theanin und baut weniger davon in bittere Catechine um. Das Ergebnis: ein sattes Grün und ein weicher, leicht süßer Geschmack mit Umami-Note.
Nach der Ernte werden die Blätter kurz gedämpft, getrocknet und von Stielen und Blattadern befreit. Dieses Zwischenprodukt heißt Tencha. Erst in Granit-Steinmühlen wird es langsam zu feinstem Pulver vermahlen. Eine Mühle schafft dabei nur etwa 30 bis 40 Gramm pro Stunde – zu schnelles Mahlen würde das Pulver erwärmen und das Aroma verändern.
Die bekanntesten Anbaugebiete liegen in Japan: Uji bei Kyoto, Nishio in der Präfektur Aichi sowie Kagoshima und Shizuoka. Matcha aus China ist meist günstiger, schmeckt aber oft herber, weil Beschattung und Vermahlung anders ablaufen.


Wach, aber nicht nervös?
Matcha enthält etwa 2 bis 3,5 Prozent Koffein. Das sind rund 20 bis 35 mg pro Gramm Pulver. Für eine klassische Schale nimmst du 1 bis 2 Gramm, also landest du bei 30 bis 70 mg. Zum Vergleich: Ein Espresso hat etwa 80 mg, eine große Tasse Filterkaffee (200 ml) rund 90 mg, eine Tasse Schwarztee etwa 50 mg.
Koffein besetzt im Gehirn die Bindestellen für Adenosin – einen Botenstoff, der sich über den Tag ansammelt und Müdigkeit signalisiert. Wie stark du das spürst, ist sehr individuell und hängt auch davon ab, wie schnell deine Leber Koffein abbaut.
Die Rolle von L-Theanin
L-Theanin ist eine Aminosäure, die fast ausschließlich in der Teepflanze vorkommt – und in beschattetem Tee besonders reichlich. Je nach Qualität enthält ein Gramm Matcha grob 5 bis 30 mg. In Studien wurde L-Theanin meist in Kombination mit Koffein untersucht, etwa 100 mg L-Theanin plus 50 mg Koffein. Dabei schnitten Teilnehmende in einigen Aufmerksamkeitstests besser ab. Die Mengen sind aber höher als in einer Schale Matcha, und zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen gibt es für L-Theanin nicht.
Was viele Matcha-Fans beschreiben – ein ruhigerer, länger anhaltender Wachmacher als Kaffee – lässt sich also gut nachvollziehen, ist aber vor allem eine persönliche Erfahrung.
Grüntee, Herz und Stoffwechsel
Grüner Tee ist eines der am besten untersuchten Getränke der Welt. Ein Grund sind die Catechine, allen voran EGCG (Epigallocatechingallat). Weil du bei Matcha das ganze Blatt trinkst, nimmst du pro Schale mehr davon auf als mit einem Aufguss.
Große Beobachtungsstudien aus Japan, etwa die Ohsaki-Studie mit über 40.000 Erwachsenen, fanden bei Menschen mit hohem Grünteekonsum seltener Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Solche Studien zeigen aber nur Zusammenhänge: Wer viel Grüntee trinkt, lebt oft auch sonst anders. Ein Cochrane-Review fand in kontrollierten Studien mit grünem und schwarzem Tee kleine Veränderungen bei LDL-Cholesterin und Blutdruck. Die Studien waren jedoch kurz und teils klein.
Unser Fazit: Grüntee und Matcha passen gut in eine ausgewogene Ernährung, die Forschung ist spannend, aber noch nicht eindeutig. Für Matcha und Grüntee-Catechine gibt es keine zugelassenen Gesundheitsaussagen. Eine Schale Tee ersetzt weder Bewegung noch ärztliche Kontrolle von Blutdruck und Blutfetten.
Wichtig für die Sicherheit: Die EFSA hat bei sehr hohen EGCG-Mengen aus Nahrungsergänzungsmitteln (ab etwa 800 mg pro Tag) erhöhte Leberwerte beobachtet. Mit Matcha als Getränk bist du davon weit entfernt.

Koffein: Matcha, Kaffee und Tee
So viel Koffein steckt ungefähr in einer üblichen Portion. Die Werte schwanken je nach Sorte, Menge und Zubereitung. Die EFSA hält für gesunde Erwachsene bis zu 200 mg als Einzeldosis und bis zu 400 mg am Tag für unbedenklich, für Schwangere und Stillende bis zu 200 mg am Tag.

So gelingt dir die perfekte Schale
Matcha wird nicht aufgegossen, sondern aufgeschlagen. Dafür brauchst du eine weite Schale (Chawan), einen Bambusbesen (Chasen) und ein feines Sieb. So geht die klassische Variante (Usucha):
- Besen einweichen: Den Chasen eine Minute in warmes Wasser stellen. So werden die Borsten geschmeidig.
- Pulver sieben: 1 bis 2 Gramm (etwa ein halber bis ganzer Teelöffel) durch das Sieb in die Schale streichen. So entstehen keine Klümpchen.
- Wasser nicht kochend: 60 bis 80 ml Wasser mit 70 bis 80 °C dazugeben. Kochendes Wasser macht Matcha bitter.
- Zickzack schlagen: 15 bis 30 Sekunden zügig in W- oder M-Form aus dem Handgelenk schlagen, bis feiner Schaum entsteht. Nicht kreisen.
Matcha Latte
1 bis 2 Gramm Matcha mit 30 ml warmem Wasser glatt schlagen, dann 150 bis 200 ml warme Milch oder Haferdrink aufgießen. Wer süßen möchte, nimmt etwas Honig – erst einrühren, wenn das Getränk nicht mehr heiß ist.
Koicha
Die „dicke“ Variante der Teezeremonie: 3 bis 4 Gramm mit nur 30 bis 40 ml Wasser langsam verrühren. Dafür eignet sich nur sehr hochwertiger Matcha.
Ceremonial, Culinary und wie viel am Tag
„Ceremonial“ und „Culinary“ sind keine geschützten Begriffe, sondern Handelsbezeichnungen. Trotzdem helfen sie bei der Orientierung:
- Ceremonial: junge Blätter der ersten Ernte im Frühjahr, leuchtend jadegrün, sehr fein, mild-süßlich mit wenig Bitterkeit. Gedacht zum puren Trinken.
- Culinary: spätere Ernten, olivgrüner, herber im Geschmack. Gut für Lattes, Smoothies und zum Backen.
Woran du guten Matcha erkennst
- Frische, grasig-süße Note statt heuartigem Geruch
- Herkunft und möglichst Region auf der Verpackung, idealerweise in Bio-Qualität
- Lichtdichte, luftdichte Dose oder Beutel in kleinen Mengen (30 bis 40 g)
Nach dem Öffnen reagiert Matcha empfindlich auf Licht, Luft und Wärme. Verbrauche ihn am besten innerhalb von vier bis acht Wochen.
Wie viel ist sinnvoll?
Zwei bis drei Schalen am Tag liefern etwa 60 bis 200 mg Koffein. Zähle Kaffee, Schwarztee und Cola mit. Trinke den letzten Matcha am besten am frühen Nachmittag, wenn du abends empfindlich reagierst. Wenn du Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon nimmst, sprich regelmäßigen Matcha-Genuss mit deiner Ärztin ab: Das Pulver enthält Vitamin K. Und weil Tee die Aufnahme von pflanzlichem Eisen hemmt, trinke ihn lieber zwischen als zu eisenreichen Mahlzeiten.

Matcha-Mythen im Faktencheck
„Matcha enthält kein Koffein, sondern Teein.“ Teein und Koffein sind derselbe Stoff. Der Unterschied liegt in den Begleitstoffen der Teepflanze wie L-Theanin und Catechinen.
„Je grüner, desto gesünder.“ Ein leuchtendes Grün spricht für Beschattung und frische Blätter – also für Geschmack und Qualität. Über eine gesundheitliche Wirkung sagt die Farbe nichts aus.
„Matcha mit kochendem Wasser löst sich besser.“ Zu heißes Wasser macht den Tee bitter und kratzig. 70 bis 80 °C sind ideal, das Sieben sorgt für eine klümpchenfreie Schale.
„Matcha-Kapseln sind dasselbe wie eine Schale Tee.“ Extrakte in Kapseln können sehr viel höhere Catechin-Mengen enthalten. Genau hier sieht die EFSA Vorsicht geboten – beim Getränk nicht.
FAQ — Matcha
Wie viel Koffein hat eine Tasse Matcha?
Eine Schale aus 1 bis 2 Gramm Pulver enthält etwa 30 bis 70 mg Koffein. Ein Matcha Latte mit der gleichen Pulvermenge hat genauso viel – die Milch verdünnt nur den Geschmack.
Ist Matcha gesünder als Kaffee?
Beide Getränke passen in eine ausgewogene Ernährung. Matcha liefert weniger Koffein pro Portion und zusätzlich L-Theanin und Catechine. Was dir besser bekommt, merkst du am besten selbst.
Wie viel Matcha darf man am Tag trinken?
Für gesunde Erwachsene sind zwei bis drei Schalen am Tag unproblematisch. Entscheidend ist die gesamte Koffeinmenge aus allen Getränken: bis zu 400 mg am Tag laut EFSA.
Wann sollte ich Matcha besser nicht trinken?
Am späten Nachmittag und abends, wenn du empfindlich auf Koffein reagierst. In der Schwangerschaft und Stillzeit gilt eine Grenze von 200 mg Koffein am Tag.
Was ist der Unterschied zwischen Ceremonial und Culinary Matcha?
Ceremonial stammt meist aus der ersten Frühjahrsernte, ist feiner, grüner und milder. Culinary ist herber und olivgrün und eignet sich gut für Lattes und zum Backen.
Kann ich Matcha auf nüchternen Magen trinken?
Viele vertragen das gut. Wer einen empfindlichen Magen hat, trinkt Matcha lieber zum oder nach dem Frühstück oder als Latte mit Milch.
Wie lange ist Matcha haltbar?
Ungeöffnet meist bis zum angegebenen Datum. Nach dem Öffnen verliert er schnell Farbe und Aroma – am besten luftdicht, dunkel und kühl lagern und innerhalb von vier bis acht Wochen verbrauchen.
Brauche ich einen Bambusbesen?
Für eine klassische Schale mit feinem Schaum ja. Für einen Latte reicht zur Not ein kleiner Milchaufschäumer oder ein gut verschlossenes Schraubglas zum Schütteln.
Quellen & weiterführende Lektüre5 Referenzen
- EFSA NDA Panel (2015): Scientific Opinion on the safety of caffeine. EFSA Journal 13(5):4102.EFSA
- EFSA ANS Panel (2018): Scientific opinion on the safety of green tea catechins. EFSA Journal 16(4):5239.EFSA
- Owen GN et al. (2008): The combined effects of L-theanine and caffeine on cognitive performance and mood. Nutr Neurosci 11(4):193–198.Studie
- Hartley L et al. (2013): Green and black tea for the primary prevention of cardiovascular disease. Cochrane Database Syst Rev (6):CD009934.Cochrane
- Kuriyama S et al. (2006): Green tea consumption and mortality due to cardiovascular disease, cancer, and all causes in Japan: the Ohsaki study. JAMA 296(10):1255–1265.Studie


